Die Rügener Kreide

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Fossilienfunde aus der Kreidezeit

… ist das Ergebnis einer rund 70 Millionen Jahre alten Meeresablagerung. Sie bildete sich in der Kreidezeit am Grund eines flachen Meeres, das damals u.a. ganz Norddeutschland bedeckte. Aus den Kalkschalen unzähliger, mikroskopisch kleiner Meerestiere entstand zuerst ein Kreideschlamm, der sich im Laufe von Millionen Jahren zu Kreide verfestigte.

In einem Jahr lagerte sich eine Kreideschlammschicht von 0,5 mm Stärke ab, in etwa 100 Jahren 5 cm, in ca. 1.000 Jahren also gerade einmal 50 cm. Auf Rügen sind die Kreideschichten an einigen Stellen aber mehrere hundert Meter dick! Bohrungen nach Thermalwasser bei Sassnitz und Binz ergaben, daß die Schichten dort eine Mächtigkeit von 650 m bzw. 550 m aufweisen.

Während der Eiszeit wurden die Kreideschichten besonders auf der Halbinsel Jasmund emporgepresst. Seitdem arbeitet die Ostsee an der Kreideküste und trägt beständig etwas von ihr ab. Die abgebrochene Kreide wird aufgeweicht und vom Meer weggespült und nur die schweren Feuersteine bleiben zurück. Dazwischen liegen ab und zu versteinerte Reste von Meerestieren – Fossilien – aus der Kreidezeit.


Feuer- oder Flintsteine haben ihre Bezeichnung daher, weil man diese Steine in früheren Zeiten zum Entfachen des Feuers benutzte. Man schlug mit dem Stein auf Schwefelkiesknollen, bis es funkte, ließ den Funken in einen Zunderschwamm springen und brachte diesen zum Glimmen. In der Zeit der Steinschloßwaffen setzte man kleine Feuersteinspitzen in den Hahn der Flinte oder Pistole ein, der dann bei Betätigung des Abzugs einen Funken erzeugte und so das Pulver für den Zündkanal entzündete.

Entstanden sind die Feuersteine in der gleichen Zeit wie die Kreide aus Schwämmen und Algen, die nach dem Absterben verkieselt sind. Zu 99% bestehen sie aus kristalliner Kieselsäure (einer Abart des Quarzes, dem Chalcedon, einem Siliciumdioxid). Sie weisen einen großen Härtegrad (7) auf und dienten deshalb in der Steinzeit als Hauptmaterial für die Herstellung von Werkzeugen („Stahl der Steinzeit“). Beim Spalten der Feuersteine treten muschlige Bruchkanten auf.

Die Feuersteine weisen oft ganz kuriose Formen auf; solche mit einem Loch nennt man „Hühnergott“. Die Löcher entstanden dadurch, daß die früher darin enthaltene Kreide durch die See ausgewaschen wurde. Nach alter Überlieferung sollen Hühnergötter die Legefreudigkeit und Gesundheit der Hühner erhöhen, wenn man sie ihnen mancherorts auch heute noch ins Nest legt. Hühnergötter galten allgemein als Glücksbringer und wurden als Talismann am Lederband oder an der Kette getragen, auch an Türen oder Fenstern alter Häuser fand man sie oft, denn man glaubte, daß sie böse Geister fernhielten. Riesige Hühnergötter können mehrere Zentner wiegen. Da man den Hohlraum dieser großen Steine auch wunderbar mit Blumen bepflanzen kann, nennt man sie auch „Sassnitzer Blumentöpfe“.

Donnerkeile sind fingerförmige Steinspitzen, die Gehäusebestandteil (Rostrum) der Belemniten waren, einer Kopffüßerart, die Ähnlichkeit mit den heutigen Kalmaren hatte. Die Belemniten bevölkerten ebenfalls vor rund 70 Millionen Jahren das Kreidemeer. Der Volksmund gab diesen Fossilien den Namen Donnerkeil, weil der Legende nach der germanische Wettergott Donar bei Gewitter die Erde mit solchen Spitzen beschießt, wodurch Blitz und Donner entstehen. Donnerkeile sind häufige Fundstücke am Steinstrand.

Etwas mehr Glück beim Suchen benötigt man, wenn man versteinerte Seeigel finden möchte, genauer gesagt den Feuersteinkern, auf dem ein Seeigel des Kreidemeeres seinen Abdruck hinterließ, bevor seine empfindliche Schale weggebrochen und abgewaschen wurde. Unser Tipp: Schauen Sie einmal im Nationalpark-Zentraum KÖNIGSSTUHL oder aber im Kreidemuseum in Gummanz/Neddesitz vorbei – es lohnt sich bestimmt.

 

Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.

Augustinus Aurelius